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Michael hat bleed vor über 10 Jahren gegründet. Aus der damaligen One-Man-Show ist mittlerweile ein über zehnköpfiges Team geworden. Im Interview nimmt er uns mit in seine persönlichen und unternehmerischen veganen und ökologischen Anfänge und erzählt uns, was für ihn am allerwichtigsten bei fairer Produktion ist.

Du bist mit bleed 2008, gestartet. Damals, war ein veganer Lebensstil in einer Kleinstadt in Oberfranken wahrscheinlich noch nicht so verbreitet. War es schwierig mit bleed Anklang zu finden?

(lacht) Ja, ich erinner mich noch an meine vegetarischen Anfänge, die ich selber hatte vor ungefähr 20 Jahren. Da waren Senfbrötchen in der Schule mein Hauptnahrungsmittel. Das war als Junge in der Zeit tatsächlich sehr schwierig. Es war immer sehr fleischlastig bei uns – ist es auch immer noch – aber auch da tut sich mittlerweile was.

Wir bieten ja bei bleed das Komplettpaket. Wir beleuchten viele Sachen, die mit Nachhaltigkeit zu tun haben und sind der Meinung, dass Tierhaltung eben nicht zur Nachhaltigkeit beiträgt. Deshalb schließen wir alle tierischen Produkte komplett aus. Nach anfänglicher Skepsis haben die Leute bei uns in Oberfranken mittlerweile auch sehr großen Spaß an der Sache gefunden.

Was hat sich seit dem in der Modeindustrie, aber auch im Kaufverhalten und den Ansprüchen der Konsumenten verändert?

Ich finde es total krass, was in den letzten sechs Jahren entstanden ist. Also die ersten fünf Jahre waren in unserer Historie ein wirkliches Hängen und Würgen. Wir haben einfach irgendwie versucht zu Überleben. Nach fünf Jahren haben wir schon gemerkt, dass ein bisschen mehr Drive in die Sache kommt. Dann kam so 2014/15 der vegane Trend rein, der uns auch nochmal einen Push gegeben hat. Seit ein paar Jahren gehen Themen wie Mikroplastik, Plastik im Allgemeinen, Veganismus und so weiter immer mehr durch die Medien. Wenn Kunden zu uns kommen oder auch anrufen, merkt man, dass sie super gut über die Dinge informiert sind und sehr tiefgründig nachfragen. Das war vor zehn Jahren noch nicht der Fall. Da ist wirklich viel passiert.

Sind all Eure Produktionsstätten zertifiziert? Falls ja, wie? Falls nein, wie stellt ihr in nicht zertifizierten Produktionsstätten faire Arbeitsbedingungen und eine ökologische Produktionsweise sicher?

Das ist bei uns tatsächlich eine schwierige Nummer. Wir selber sind GOTS-zertifiziert, aber wir arbeiten nur zu einem Bruchteil mit Baumwolle, also mit Bio-Baumwolle. Da wir ja sehr funktional ausgerichtet sind, arbeiten wir sehr viel mit recycelten Materialien und auch mit Tencel®, Leinen und Hanf. Im Bereich Bio-Baumwolle arbeiten wir eigentlich nur mit GOTS-zertifizierten Herstellern zusammen, da lassen wir dann auch die Tencel®-Produkte machen. Die Produkte sind dann zwar nicht zertifiziert, aber der Hersteller ist es. Also die Konfektion, die Färberei und so weiter. Das heißt, es geht dann alles nach diesen Reglements, die wir bei GOTS haben. Außerdem arbeiten wir mit dem Global Recycle Standard, also dem GRS, zusammen.

Bei uns nehmen soziale Normen eine besonders wichtige Rolle ein. Die Einhaltung kann man natürlich am besten feststellen, indem man vor Ort die Hersteller besucht und die ganzen Leute persönlich kennt. Wir arbeiten vor allem mit kleinen Manufakturen zusammen. Da sitzen dann keine 500 Näherinnen und Näher, sondern wirklich nur 20-30 Leute. Die kennt man dann irgendwann alle beim Namen und weiß, wer wo sitzt, wer was macht und so weiter. Ich bin teilweise sogar auf Facebook mit denen befreundet und sehe, dass die auch Urlaub machen und ein ganz normales Leben führen können mit dem Lohn, den sie bekommen. Dann weiß ich auch, dass es da gut läuft, so wie wir das auch wollen.

Das bedeutet, ihr fahrt auch regelmäßig zu den Produktionsstätten und schaut Euch persönlich an, wie es da läuft?

Genau, das halt ich für viel wichtiger als jede Zertifizierung. Ich finde es super wichtig, sich die Zeit dafür zu nehmen. Gut klar, bin ich dann daheim weniger im Büro und so weiter und kann dann diverse Sachen nicht machen, aber ich weiß, wie es vor Ort in den Produktionsstätten abgeht und was da passiert.

Welche Kriterien sind Euch bei der Materialwahl besonders wichtig? Welches ist Dein absolutes Lieblingsmaterial und warum?

Hmm, das ist eine interessante Frage. Also ich bin ein ganz großer Fan von Kapok, aber auch von Hanf. Also ich mag diese alten Naturfasern super gerne. Die sind einfach unglaublich robust, halten ewig. Auch Leinen ist toll. Ich hab so ein 100% Leinenhemd von unserer 2012er Kollektion und ein altes Hanf-Jeanshemd noch von 2010 glaub ich. Die trag ich rauf und runter. Die gehen nicht kaputt. Die sind, keine Ahnung, 100 Mal gewaschen und das ist unglaublich. Und das ist für mich einfach Nachhaltigkeit. Wenn es langlebig ist und immer noch geil aussieht, dann ist das ein geiles Produkt.

Dieses Jahr wird es besonders spannend bei Euch. Ihr bringt Eure ersten Sneaker auf den Markt. Was ist das Besondere an den Schuhen? Warum habt Ihr Euch für die Finanzierung durch Crowdfunding entschieden und was erhoffst Du Dir dadurch?

Das Besondere an dem Schuh ist, dass er zum Großteil aus recycelten Materialien hergestellt wird. Das haben wir gemacht, weil es einfach überall so viel Müll gibt, der wieder in den Kreislauf rein muss. Zum Beispiel besteht die Sohle unserer Sneaker aus recycelten Autoreifen. Die kann man einfach einschmelzen und wieder was Neues draus basteln. Für eine Sohle vom Schuh ist das einfach perfekt. Das ist vom Laufkomfort und auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit super. Zudem haben wir uns entscheiden, den Schuh komplett klimaneutral zu machen. Da ist Recycling tatsächlich auch der bessere Weg, weil zum Beispiel Bio-Baumwolle wesentlich CO2 intensiver ist als ein recyceltes Material. Wir haben den Schuh in Portugal sehr nah und mit einem sehr hohen Qualitätsstandard fertigen lassen. Alle benötigten Rohstoffe haben wir aus der Region gesourced. Die Oberstoffe kommen aus Spanien, die Sohle und der ganze Rest aus Portugal. So sind die Transportwege relativ kurz und wir sparen da auch schon riesige Mengen an CO2 ein.

Im Moment sind wir dabei, den CO2-Ausstoß für eine Kompensation berechnen zu lassen. Das Ganze ist aber ziemlich zeitintensiv, weil wir einfach jedes einzelne Bauteil auf die Waagschale legen müssen. Wie viel Gewicht hat es, wie ist es hergestellt, wie viele Kilometer sind es zum Beispiel von der Stoffproduktion in Spanien zu der Schuhproduktion in Portugal. Das muss alles genau berechnet werden, weil auch jeder Transportweg mit einberechnet wird in das Produkt. Für uns war es ganz wichtig eben auch das Thema CO2 zu beleuchten. Grade nach dem Rekordsommer 2018.

Für Crowdfunding haben wir uns entschieden, da wir vier Jahre Entwicklungszeit in den Schuh gesteckt haben. Das hat natürlich auch enorme Kosten verursacht. Man braucht bei der Schuhproduktion sehr viele Werkzeuge wie Schneide, Messer, Spritzgussform und alles mögliche für die verschiedenen Größen. Mit dem Crowdfunding haben wir die Möglichkeit die Entwicklungskosten runter zu kriegen und sehen natürlich auch gleich wie der Markt auf das Produkt reagiert.

Welchen Tipp würdest Du Deinem früheren Ich vor der Gründung von bleed geben?

Oh, das ist echt schwierig. Ich glaube, dass jeder Fehler, der passiert, wichtig ist, um draus zu lernen. Ich glaube auch, dass Fehler passieren müssen, damit Du Dich als Unternehmer oder auch als Gründer weiter entwickeln kannst. Hmm, deswegen glaub ich, dass alles so gut war wie es gelaufen ist. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch und das Ganze hat echt lang gedauert. Also es hat ja fast 5 Jahre gedauert bis wir die ersten Leute einstellen konnten, das war jahrelang eine One-Man-Show. Am Anfang war echt schwer für mich, das alles auszuhalten. Ich glaube, ich hätte mir damals einfach gesagt, bleib ruhig, das wird alles irgendwann funktionieren. Damals hätte ich nie gedacht, dass es so lange dauern wird. Ich war super ungeduldig und impulsiv in vielen Sachen. Ich glaub, da hätte ich mich ein bisschen beruhigen wollen. (lacht)

Was ist neben bleed Deine größte Passion? Was machst Du am allerliebsten zum Ausgleich neben der Arbeit?

Meine Familie auf jeden Fall! Mein Kind, das seit vier Monaten da ist und mich belustigt (lacht) und mir auch ein bisschen den Stress vom Hals nimmt, wenn ich nach Hause komme und es mich angrinst. Und natürlich mein Sport. Auch der ist für mich ganz wichtig. Ich bin begeisterter Boardsportler, also Surfer, Skateboarder, Snowboarder. Ich liebe es, wenn ich dafür auch noch Zeit finde.



AUTORIN

Lea Bock

Lea ist seit Anfang 2018 Teil des Jojeco Teams und bei uns im Bereich Marketing aktiv.

Auch privat schlägt ihr Herz für Nachhaltigkeit und alles rund ums Thema.

Hier auf dem Blog teilt sie ihr Wissen und Ideen zum nachhaltigeren Lebensstil.



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